Bauhaus Universität Weimar

Lehr- und Laborgebäude

Bauherr: Thüringer Finanzministerium vertr. d. Staatsbauamt Erfurt
Bauzeit:  2000 – 2003 (Wettbewerb 1999)
BRI:       ca. 12.000 m3

Fotos: Steffen Groß, Weimar

Die Bauhaus-Universität nutzt im Zentrum Weimars unweit des Goetheplatzes einen Gebäudekomplex mit teilweise denkmalgeschützter Bausubstanz. Für die Fakultät Bauingenieurwesen sollte im Hofbereich ein Laborgebäude für Lehr- und Forschungszwecke auf dem Gebiet der Werkstofftechnologie und des Erdbaus errichtet werden. 

Das Bebauungskonzept, das sich bei einem europaweit ausgeschriebenen Architektenwettbewerb durchgesetzt hatte, nutzt die natürliche Topografie im Hofbereich, um die Laborräume und die Experimentierhalle in das abfallende Gelände hinein zu schieben. Durch diesen Kunstgriff werden zwei unterschiedliche Höhenniveaus gewonnen, die den Innenhof gliedern. Das untere durchgehend gepflasterte Hofniveau wird von Fahrverkehr komplett freigehalten. Mit Anschluss an die bestehende Bebauung entsteht ein die unterschiedlichen Gebäude verbindender Campus-Hof mit hoher Aufenthaltsqualität. Das obere Hofniveau dient der Erschließung mit Fahrzeugen aller Art und als Parkplatzfläche. Durch die Begrünung des oberen Bereichs wurde ein insgesamt differenzierter Hofraum geschaffen.
Durch die teilweise Unterbauung der Hoffläche konnte ein Großteil des geforderten Rauprogramms in dem dadurch entstandenen Sockelgeschoss untergebracht werden. Nur die Institutsbereiche treten in Form eines aufgeständerten Baukörpers in Erscheinung ohne den Hofraum einzuengen. Die Laborräume im Sockelgeschoss werden durch ein leicht schräg gestelltes Glasband belichtet. 

Die Nutzungen wurden den funktionalen Erfordernissen entsprechend horizontal geschichtet. Ebenerdig anfahrbare Laborbereiche, Experimentierflächen mit hohen Bodenlasten sowie großflächige Technikzentralen, die die Gesamtliegenschaft versorgen, sind im Sockelgeschoss angeordnet. Der aufgeständerte Institutsbau beinhaltet die Büros für das Lehrpersonal sowie EDV- und Sammlungsräume. Seine Bekleidung aus rückseitig beschichteten Glastafeln verleiht dem Baukörper eine scheinbar transluzente, durch unterschiedliche Lichtbrechungen belebte Schicht. Insgesamt geht die Neubaumaßnahme in deutlichen Kontrast zur teils denkmalgeschützten Altbausubstanz. Eine klare und moderne Architektursprache setzt hierbei unverwechselbare Akzente.

Die Labor- und Seminarräume werden auf Grund der spezifischen Nutzungsanforderungen mechanisch be- und entlüftet. Um die Lüftungsanlage möglichst energiesparend zu betreiben, wurden Erdregister zur Vorwärmung bzw. Vorkühlung der zu behandelnden Luft in den grundwassernahen Bodenschichten verlegt. Regenwasser aus einer Zisterne wird zusätzlich zur Verdunstung gebracht um bei hohen Außentemperaturen die Zuluft kühlen zu können.

Bei der Planung der natürlich belüfteten Büroräume hingegen wurden neue Wege beschritten, um die klimatischen Bedingungen an den Arbeitsplätzen ohne aufwändige und teure Anlagentechnik zu verbessern. Grundsätzlich sorgt eine hygienische Grundlüftung für eine kontinuierliche Erneuerung der Raumluft (0,5-facher Luftwechsel). Hierzu werden in der Fassade die Klappflügel aus ihren Dichtungen gefahren. Ein zentraler Abluftventilator zieht die verbrauchte Raumluft flurseitig aus den Büroräumen. Diese hygienische Grundlüftung macht eine Fensterlüftung im Normalfall überflüssig und verhindert damit starke Lüftungswärmeverluste in der kalten Jahreszeit. Zusätzlich werden solare Gewinne aus der Südorientierung der Büroräume durch einen nach innen verlegten Sonnenschutz ermöglicht. Im Sommer werden zusätzlich nachts die bereits erwähnten Klappflügel in der Fassade weit geöffnet. Kühle Luft wird jetzt mit 5-facher Luftwechselrate durch das Gebäude gezogen. Dadurch wird die massive Rohbaustruktur abgekühlt und kann am Folgetag wieder die Temperaturspitzen ausgleichen. Der Verzicht auf wärmedämmende Deckenbekleidungen und Fußbodenbeläge begünstigt diesen Effekt. Bei ansteigenden Außentemperaturen am Morgen wird dann die Lüftung wieder auf die hygienische Grundlüftung zurückgefahren, um die Erwärmung der Rohbaukonstruktion zu verlangsamen. Die innen liegenden Sonnenschutzlamellen sind so geformt, dass die steil stehende Sommer-Südsonne wieder durch die Fensterscheiben nach draußen reflektiert wird (Retroreflexion). Eine übermäßige Erwärmung des Innenraums wird dadurch verhindert.

Die Wirksamkeit dieses gebäudeklimatischen Konzeptes konnte in den heißen Sommermonaten des Jahres 2003 erstmalig überprüft werden. Die Ergebnisse entsprachen den Erwartungen aus der gebäudeklimatischen Computersimulation. Die Raumlufttemperatur in den Büroräumen stellte sich in der Regel bei maximal 28°C ein.  

Bauhaus Universität WeimarAnja Kilian